"Mäh statt Muh!" heißt es etwa seit 2012 beim Michlbauer in der Oberpfalz. Damals, vor acht Jahren, hat Sebastian "Basti" Meier den Hof von seinem Vater übernommen und von Kühen im Stall auf Ziegenmilch und -fleisch umgestellt. 400 Tiere sind es inzwischen, die der 37-jährige Landwirt und seine Frau Schirin täglich zweimal zu melken haben. Bastis Vater war einer der ersten Bio-Pioniere in der Oberpfalz. Konsequent folgte ihm der Sohn und seit seine heutige Frau 2018 auf den Hof kam, bewirtschaften sie diesen nach einer klaren Philosophie. Von der Braugerste bis zu den Wagyu-Rindern, die sie angefangen haben zu züchten, wächst und gedeiht hier alles biodynamisch. Ein Vollerwerbshof mit Arbeit für beide rund um die Uhr – müsste man meinen. Doch Basti Meier hat als Blechblasinstrumentenbaumeister noch eine weitere Leidenschaft: das Musizieren und seine Instrumente, die er in der eigenen Blech-Werkstatt baut und repariert. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist nicht immer einfach.
Hans-Peter Zeh lebt auf seinem idyllischen Bauernhof im Allgäu mit seiner Lebensgefährtin Alexandra sowie seiner 80-jährigen Mutter zusammen. 23 Rindern, fünf Ziegen und zehn Katzen müssen versorgt werden. Der gelernte Landwirt hat mit seinen Tieren jede Menge Arbeit. Sieben Tage die Woche, 12 Stunden am Tag – wie jeder andere Bauer auch. Nur: Im klassischen Sinne ist Hans-Peter Zeh inzwischen kein Landwirt mehr. 20 Jahre lang verdiente der heute 50-Jährige sein Auskommen als Milchviehbauer. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters erbte er den Hof und führte ihn in dessen Sinne weiter. Schlimm war für Hans-Peter aber immer schon, wenn die Tiere zum Schlachter mussten. 2014 beschloss er deshalb, Vegetarier zu werden und seinen Tieren ein Leben ohne dauernde Milchproduktion zu schenken. Der Gnadenhof Zeh war geboren! Seitdem kämpft Hans-Peter ums Überleben. Zwar hat er zwei Ferienwohnungen, die er vermietet, aber das alleine reicht nicht.
Auf dem Billesberger Hof taucht der Besucher in einen anderen Kosmos ein: Amadé "Mogli" Billesberger hat sich dort eine eigene kleine, nahezu perfekte Welt geschaffen. Mittags wird zusammen an der langen Tafel gegessen. Hühner rennen auf der Wiese herum. Wildkräuter wohin das Auge blickt. Schafe, die einem zulaufen, wenn man sie beim Namen ruft. Ein Hund, der gleichzeitig bester Freund ist. Und ein Bauer, der aus tiefster Überzeugung nachhaltig handelt. Seit 2007 betreibt der 37-Jährige in Moosinning ökologischen Landbau, seit einem Jahr mit Unterstützung seiner Freundin Antonie. Der Schwerpunkt des Betriebs liegt auf einer weit angelegten Fruchtfolge im Ackerbau und mehr als 100 Sorten Gemüse, die zur Direktvermarktung angebaut werden. Zum Teil sind diese uralt, vergessen oder fast ausgestorben – wie beispielsweise Zuckerwurzel, Knollenziest, Emmer Korn oder Tonda di Chioggia. Kein leichter Weg, für den sich "Mogli" Billesberger entschieden hat, aber der Erfolg gibt ihm recht. Diverse Sterne-Restaurants im nahen München schätzen die Qualität seiner Produkte. Doch diesen Standard gilt es auch zu halten, als Freundin Antonie schwanger wird und ihr erstes Kind Aurelia auf die Welt kommt. Eine zusätzliche Herausforderung für das junge Paar, denn die Arbeit auf dem Hof wird ja nicht weniger. Auch Markus Hillabrand ist ein junger Landwirt, zusammen mit seiner Frau Carolin führt der 32-Jährige mitten im wunderschönen Unterfranken ein kleines Weingut. Er gehört zu jenen Winzern, die den Frankenwein aus seinem angestaubten Image holen wollen – ohne die lange Winzer-Tradition der Gegend und der eigenen Familie über den Haufen zu werfen. Schon sein heute 84-jähriger Großvater hat im Nebenerwerb Wein angebaut, allerdings lieferte er die Trauben noch den großen Keltereien in der Gegend zu. Markus dagegen hat sich mit dem Ende seiner Lehrzeit 2006 voll und ganz dem Weinbau verschrieben. Seit 2012 ist er der Chef am Hof. Heute baut Markus nicht nur seinen Wein auf insges
Eigentlich hatte Max Kainz das Thema Landwirtschaft längst abgehakt. Den elterlichen Betrieb hat sein sieben Jahre jüngerer Bruder übernommen, weil der Vater den Hof nicht wie Kainz umstellen, sondern weiter konventionell nutzen wollte. Statt Bauer ist der heute 62-Jährige Dozent am Lehrstuhl für ökologischen Landbau der TU München in Scheyern geworden. Im Jahr 2001 sprach ihn ein Personalberater an, ob er nicht Lust hätte, einen Hof in Schrobenhausen zu pachten. Kainz sagte zu und betreibt seitdem zusammen mit einem festangestellten Mitarbeiter einen 150 Hektar großen Betrieb: Wagyu-Rinder, Kartoffeln, Gemüse. Kainz ackert nonstop. Inzwischen sind noch ein zweiter Hof und Spargelfelder dazu gekommen. Das geht oft an die Grenzen der Belastbarkeit. Seine Frau Ulrike, eine gelernte Kräuterpädagogin, beobachtet das mit großer Sorge. Sie glaubt, dass Max seinem Vater bis heute beweisen will, dass er das Zeug zum Landwirt hat. Dazu kommt die Sorge um einen Nachfolger.
Ob Almbauer oder Winzerin, See-Fischer oder Biosaft-Produzent – sie alle sind verwurzelt in ihrer bayerischen Heimat und lieben ihren Job mit und von der Natur. „Lust aufs Land“ porträtiert heimische Bäuerinnen und Bauern und erzählt von ihren Ideen, Zielen und Träumen – aber auch von den Herausforderungen, die sie meistern müssen, um ihre Betriebe erfolgreich in die Zukunft zu führen. Manchmal muss sich einiges ändern, damit alles weitergehen kann … Seit Sebastian Beck denken kann, hat er seine Sommer auf dem Berg verbracht, auf der Sennalpe Oberberg im Allgäu, hoch über Immenstadt gelegen. Vier Generationen seiner Familie haben hier bereits als Bergbauern gearbeitet. Nach dem plötzlichen Unfalltod seines Vaters musste Sebastian als 24-Jähriger von einem Tag auf den anderen die Alpe übernehmen. Seitdem ist er von Mai bis Oktober mit Frau Mona und dem kleinen Sohn Seppi und Töchterchen Sophie auf dem Berg verantwortlich für 35 Kühe, die Bauern aus dem Tal bei ihnen in Pension geben.
Ein Schicksalsschlag hat Marias Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Nachdem ihr Vater, der Landwirt war, völlig unerwartet verstarb, entschied sich die junge Physiotherapeutin kurzerhand den elterlichen Hof im niederbayerischen Margarethenthann zu übernehmen. Seitdem managt sie mit ihrer Mutter eine Herde von mehr als 100 schottischen Hochlandrindern, kümmert sich um die Zucht der Tiere sowie die Vermarktung des Fleisches im hofeigenen Laden. Der Sprung ins eiskalte Wasser hat die heute 32-Jährige viel Kraft gekostet – doch inzwischen läuft es rund auf dem Eichstetter-Hof. Und seit vergangenem Jahr hat die Jungbäuerin weitere Unterstützung: Maria hat geheiratet und mit Martin ist jetzt wieder ein Mann am Hof. Doch die Chefin hier ist und bleibt Maria. Und daran wird sich auch nichts ändern, wenn das junge Paar bald zu dritt ist – auch wenn der Nachwuchs Marias Leben wieder einmal auf den Kopf stellen wird. Die Familie ist auch für Hopfenbauer Markus Eckert aus de
Teiche gibt es viele in der nördlichen Oberpfalz, Teichwirtinnen eher nicht. Lena Bächer ist da eine Ausnahme: Die 24-Jährige studiert derzeit im Master Fischereiwirtschaft und will danach den elterlichen Hof in Muckenthal übernehmen. Die Karpfen aus den eigenen Teichen sind ihre große Leidenschaft, schon seit sie ein kleines Kind war. Auch jetzt verbringt sie jede freie Minute auf dem Hof. Vater Klaus und Mutter Manuela führen den Familienbetrieb mit rund 50 Teichen, Hofladen und Fischrestaurant bereits in dritter Generation. Anspruch der künftigen Chefin am Bächerhof ist es, das gesamte Futter für ihre Zucht auf den eigenen Feldern anzubauen. Dabei experimentiert sie gerne auch mit neuen Pflanzen wie der Ackerbohne, die das Fleisch der Karpfen magerer und geschmacklich intensiver werden lässt. Papa Klaus ist begeistert vom Engagement seiner Tochter und macht sich keine Sorgen um die Zukunft des Hofs. Im oberbayerischen Taching am See, im Chiemgau, hat Seniorchef Franz Gramminger sein
Seit vier Jahren züchten Maria und Josef Kaiser aus Flanning im Landkreis Erding Yaks, also tibetische Grunzochsen, deren Fleisch sie in Zukunft selbst vermarkten werden. Ein seltener Anblick in Oberbayern, aber die Kaisers sind überzeugt vom hochwertigen Fleisch der Tiere. Die Entscheidung fiel spontan, wie oft auf dem Kaiserhof. Aber wenn Maria und Josef eine Idee haben, wird nicht lange gefackelt, sondern angepackt. So war es, als sie begannen Stierkälber, die aus muttergebundener Milchviehhaltung stammen, artgerecht aufzuziehen. So war es, als sie Josefs Eltern ein Ökohaus aus Strohballen gebaut haben. Und so war es auch, als sich die beiden entschlossen, einen Hof-Kindergarten aufzumachen. 20 Kinder kommen montags bis donnerstags und dürfen spielerisch am Hof mithelfen. Für die gelernte Erzieherin Maria eine Herzensangelegenheit, für den Kaiserhof aber auch eine wichtige Einnahmequelle. Denn: Öfter mal was Neues wagen, um den Betrieb am Laufen zu halten – das ist die Devise von Ma